Indien im He[ART]land

Bericht/ls

Am 25. Juni 2013 ermöglichte die „Rhythmuse“ Karin Bindu einem begeisterten Publikum einen spannenden Einblick in die rituelle, sehr stark sakral beeinflusste indische Musik-, Theater- und Tanzwelt, die sie als Ethnologin bzw. Kultur-Anthropogin jahrelang erforschte.

Vor kurzem erwarb Karin Bindu ihr Doktorat mit einer Dissertation über die Mizhavu (ein weiteres Percussions-Instrument), die sie uns ebenfalls vorstellte. Sie hat hat eine universitäre Lehrverpflichtung in ihrem Fachgebiet. Ihre Feldforschung bezieht sich auf einen Bereich, der wissenschaftlich bisher noch nicht dokumentiert wurde. Einzigartig ist aber auch, dass sich ausgerechnet eine Frau mit dieser komplexen rituellen Perkussions-Technik auseinandersetzte, denn das Tablas-Spielen ist in Indien eine männliche Angelegenheit.

Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, wie aufwändig diese Kunst vermittelt und erlernt wird, und erfuhren, dass es sogar ein eigenes Silbensystem gibt, um die Abläufe zu memorisieren. Keine/r von uns hatte bisher eine Ahnung davon, dass alle Abfolgen strengen Regeln unterworfen sind. Anhand von Power-Point-Bildern und aus Kerala mitgebrachten Musik-Demos erklärte uns Karin Bindu, dass Musik, Tanz, Theater akribisch vorbereitet werden, dass allein das Schminken und Ankleiden der Tänzer Stunden braucht, dass sich die Tänzer während der Aufführung ernsthaft mit den dargestellten göttlichen Wesenheiten identifizieren, und sie verdeutlichte, wie aufmerksam die weihevollen Zermeonien von den Zuschauern verfolgt werden. Natürlich erfuhren wir auch Einiges über das Zusammenttreffen von zwei ganz unterschiedlichen Kulturen. Die Zeit verging im Flug.

Der jüngste Teilnehmer feierte gerade seinen ersten Geburtstag und genoss die Vorstellung sehr.  Seine ältere Schwester liebt das Haare-Flechten und war so erpicht darauf, die Vortragende zu schminken, dass diese – selbst liebende Mutter – humorvoll zustimmte bzw. ins Unvermeidliche „fügte“.

Den erschienenen Kulturfreunden gefiel’s. Unter ihnen sei Franz Koppendorfer, der bekannte Bühnenbildner und Regisseur, erwähnt, der mit Goldschmiedin und Schmuckdesignerin Priska Heller zum Vortrag kam und miterlebte, wie der indische Hörgenuss im He[ART]land äußerst unüblich mit einer indianisch bemalten Künstlerin ausklang.

Unüblicherweise versteht sich Karin Bindu auch darauf, die Tabla-Rhythmen auf auf anderen PerkussionInstruente wie beispielsweise eine Dschembe zu übertragen, womit sie schon viele Perkussionisten ins Staunen brachte. Der Umstand, dass sie auf Hempstone-Instrumenten spielt, und zwar nicht nur auf Trommeln, sondern auch auf dem Didgeridoo, hätte das Publikum heillos überfordert und den zeitlichen Rahmen gesprengt. Dies wäre Thema für einen anderen, sicher ebenso interessanten Vortrag.

Karin Bindu lud die Anwesenden zu einem KünstlerlInnenfest in Lafnitz ein, das sie mitorganisiert – 29.6.2013 – Kulturverein KUBILE. Wir hoffen, sie zu einem weiteren Vortrag vor größerem Publikum gewinnen zu können, und wünschen ihr von Herzen, dass sie viele gute Gelegenheiten bekommt, diese mediative Perkussions-Form vorzustellen und erlebbar zu machen.

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