Der Bienenretter

Der Bienenretter und seine Mission: Bienenvölker, die sich wohlfühlen und in einer intakten Naturlandschaft leben

Das Projekt Bienenschutzgarten – ein Erlebnisbericht einer Neo-Imkerin

Lygia Simetzberger, 27.12.2013

Bienenschutz geht uns alle an! Im Kreislauf der Natur spielen die Honigbienen eine unersetzliche Rolle. Der folgende Erlebnisbericht zeigt Möglichkeiten auf, aktiv zur Rettung unserer Honigbiene beizutragen. Statt zu resignieren sollten wir Wohnungen für glückliche Bienen bauen.

Der Bienenretter und sein Arche-Projekt

Bei der Eröffnung von Dr. Ehrenbergers Permakulturgarten in Mogersdorf-Bergen im Juli 2013 traf ich ihn zum ersten Mal, den ruhigen, stattlichen Mann, der leise, aber bestimmt über das Leben und Leiden der Karnischen Biene sprach, unserer heimischen Biene. Damals trug er einen Sommerhut und betreute einen Infostand mit Broschüren über das Projekt Bienenschutzgarten und verkaufte Saatgut mit einer Wiesenblüten-Mischung. Damit machte Anton Erlacher, Geschäftsführer des Vereins Bienenschutzgarten, mir und zahlreichen anderen Wissbegierigen deutlich, dass nicht nur der Bestand unserer Honigbiene durch Schädlinge und Gifte gefährdet ist, sondern ihr auch an vielen Orten nicht mehr geeigneter Lebensraum zur Verfügung steht.

Mich hatte gewundert, warum Bienen Mais anfliegen und dadurch den Pestiziden, die die Industriefarmer, wie ich sie nenne, die dem Saatgut in Form von Beizmitteln beigefügt werden, ausgesetzt sind. Nun erhielt ich endlich eine stimmigen Erklärung dafür. Und die Begegnung sollte die erste von vielen sein, die kamen und hoffentlich noch kommen werden.

bienenwiege_011Vor mir saß der „Noah der Bienen“, oder zumindest einer der „Noahs“, die sich weltweit engagieren, Alarm schlagen, zur Umsetzung aufgezeigter Hilfsmöglichkeiten anleiten. Die sich wie Rufer in der Wüste um das Wachsen einer Schar von Bienenfreunden bemühen, die tatkräftig mithelfen soll, für uns und unsere Nachkommen den Bestand der Honigbiene zu bewahren. Ja mehr noch: der Gesschäftsführer des Bienenschutzgarten-Projektes glaubt an Wege, unsere heimische Biene, die Apis mellifera carnica alias Kärntner Honigbiene, durch geeignete Maßnahmen zu kräftigen.

Warum es den Bienen an den Kragen geht

Anton Erlacher erklärte mir und anderen Zuhörern bereitwillig, dass die Bienenprodukte wie Honig, Blütenpollen, Bienenwachs und Propolis nur etwa als Teil des Wirkens der Biene zu betrachten sind. Weitaus wichtiger sei ja ihre Aufgabe, im Umkreis von zwei bis drei Kilometen um ihren Standort für die Bestäubung von Obstbäumen und vielen blütentragenden Pflanzen zu sorgen. Da nun aber der Lebensraum für Bienen durch Monokulturen auf den Feldern und blütenlose Rasenflächen in den Privatgärten immer mehr schwindet, finden die Bienen zu wenig Nahrung und weichen notgedrungen auf den Mais aus. Da ich in meinem Garten in vergangenen Jahren des öfteren orientierungslose Bienen bemerkte, fragte ich nach der Ursache und erfuhr, dass die Honigsammlerinnen mit dem bereits erwähnten Pestizid, das präventiv großflächig gegen den Maiswurzelbohrer verwendet wird, in Berührung gekommen sein mussten, welches sie desorientiert macht. Sie finden nicht mehr in ihren Bienenstock zurück.

Mir fiel ein Refrain aus einer Nestroy-Posse ein und ich textete ihn um auf: „Es gibt nichts Dümmeres als den Menschen!“

Die eingeschleppten Schädlinge wie die Varroa-Milbe und nun auch die neue Gefahr, eine afrikanische Käferart, könnten von den Bienen vor die Tür gesetzt werden, wie dies mit Schädlingen und Verunreinigungen im Bienenstock regelmäßig geschieht. Gegen die Varroamilbe verteidigen sich unsere heimischen Bienen allerdings nicht, weil sie diesen mit ausländischen Bienenvölkern eingeschleppten Schädling nicht als Feind erkennen. Bienen haben kein Schmerzempfinden wie Menschen und spüren daher nicht, wenn ein vampirisches Wesen auf ihrem Rücken sitzt und saugt. So bleibt die Varroa unbemerkt, bis der Stock ausgedünnt ist.

Die Lösung: Im Einklang mit der Natur wirtschaften

Aber das war bei weitem nicht die traurigste Tatsache, von der ich bei diesem fröhlichen Eröffnungsfest vom Leben unserer Bienen erfuhr. Meine IMG_4823heilen Vorstellungen von der herkömmlichen Imkerei bekamen einen Knacks nach dem anderen. Empfand ich es schon als hässlich, dass viele Imker das Varroa-Desaster für ein lukratives Geschäft mit dem Züchten und Verkaufen von Bienenvölkern ausnützen, so stieg meine Empörung, als ich erfuhr, dass viele Imker den Bienen so gut wie keinen Honig lassen, sondern sie komplett mit einer simplen Ersatz-Lösung, bestehend aus Zuckerwasser, abspeisen. Man braucht nicht viel Vorstellungsvermögen um sich zu veranschaulichen, dass der Honig, die natürliche Nahrung der Bienen, in seiner Zusammensetzung und Wirkung durch nichts ersetzt werden kann. Der Mensch, ein fieser Räuber durch und durch! Dabei sind diese Tierchen sprichwörtlich bienenfleißig. Eine schonende Symbiose Mensch-Biene ist durchaus möglich, wenn man nur einen Teil des Honigs entnimmt, während die Bienen noch weitersammeln können.

Missbrauch und Wunder des Bienenvolks

Es wäre wichtig, die Eigenarten und Bedürfnisse eines Bienenvolks verstehen zu wollen, sich zumindest kompetentes Grundwissen anzueignen und entsprechend zu handeln. Je mehr man sich mit dem Leben des „Biens“, wie Imker Anton Erlacher es auch nennt, befasst, desto faszinierender sind die Zusammenhänge. Erst vor kurzem, weiht Anton Erlacher seine Bienenwiegen-Bauer ein, erkannte man, dass die Drohnen neben ihrer biologischen Aufgabe beim Hochzeitsflug mit der Bienenkönigin auch weitere erstaunliche Funktionen im Bienenstock innehaben. Doch mehr möchte ich dazu nicht verraten.

Um auf die gängige Imkerpraxis zurückzukommen: Von einer wesensgemäßen Bienenhaltung kann keinesfalls die Rede sein, wenn Bienenstöcke in einer Batterie neben- und übereinander gestapelt werden. Das ist für Imker praktisch, bedeutet aber für Bienen unnötiger Stress. Und schon gar nicht ist es wesensgemäß, die Bienenkönigin, die eine Lebenserwartung von bis zu sieben Jahren hat, Jahr für Jahr zu ersetzen. Das erinnert schrecklich an die sogenannten Turbokühe, die auf Höchstleistung beim Milchertrag gezüchtet werden und deren Produzenten (Bauern möchte ich so etwas gar nicht mehr nennen) es egal ist, dass sie infolge ihrer Überzüchtung nach wenigen Jahren „verbraucht“ sind. Den „alten“ Bienenköniginnen wird einfach der Kopf abgezwickt. Dann werden sie wie Müll entsorgt.

bienenwiege_041Ja, von solchen Methoden möchten die Konsumenten natürlich nichts wissen. Sie genießen das Klischee aus der Werbung – Märchenwiese, Bienensummen, goldener Honig am schön gedeckten Frühstückstisch…

Wieder einmal sah ich mich an Filme wie „Der Smaragdwald“ unter der Regie von Robert Redford und „Avatar“ unter der Regie von James Cameron erinnert. Eine heile Welt, die durch eine entmenschte Zivilisation zerbröselt.

Möglichkeiten der Umsetzung

In Kürze hatte mich Anton Erlacher da, wo er mich haben wollte, und das alles nur, indem er ruhig und sachlich Tatsachen schilderte. Bei allem schien er emotionslos und ich verstand bald, warum. Es hilft ja überhaupt nicht, wenn wir uns über etwas aufregen, was geschieht. Es bringt überhaupt nichts, etwas zu kritisieren oder dagegen anzukämpfen. Es geht ums Erkennen, was zu tun ist, und ums Umsetzen. Richtig handeln bedeutet, etwas zur Rettung der Bienen zu tun. Zunächst zu verstehen, dass und wie eine wesensgemäße Bienenhaltung möglich ist. Und dann je nach Möglichkeit ein Bienenvolk zu halten, Projekte wie das Bienenschutzprojekt finanziell zu unterstützen, Blumenwiesen anzusäen bzw. Bienenweiden stehen zu lassen, sich am Bienenschutznetzwerk durch die Organisation von Veranstaltungen in Gemeinden und an Schulen zu beteiligen oder ganz einfach nur noch Honig aus wesensgemäßer Bienenhaltung, zumindest aber biologisch produzierten Bienenhonig, zu kaufen.

Bienenvölker auch im urbanen Raum

Übrigens, auch in Ortszentren können Bienen gehalten werden, vorausgesetzt, ihre Flugbahn gefährdet nicht Mitbewohner und Passanten. Es gibt Bienenfreunde, die ihre Bienenwiege auf dem Balkon oder auf dem Dach aufgestellt haben. So bizarr es klingen mag – die Umweltbelastung ist für Bienen im städtischen Raum geringer als in den durch die Agrarindustrie verseuchten Landkommunen.

Schutzlandschaften und mehr

Mit gutem Beispiel vorangehen möchte das Bienenschutzgarten-Projekt auch durch Forschung, Vernetzung mit ähnlichen Einrichtungen in aller Welt, durch das Projekt „Blühende Landschaft“, durch die Errichtung von Schutzlandschaft für die Honigbienen und durch die Gründung einer ersten Imker-Schule, die nach biodynamischen Grundsätzen lehrt, voraussichtlich auf einem Areal im Salzkammergut. Bücher. Kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit, Bücher- und Videotipps und ein Online-Shop sind heutzutage unerlässlich. All das zeigt wohl, dass diese gemeinnützige Organisation alle Hände voll zu tun hat – also ebenso fleißig wie die Bienen sein muss – und daher fürs Weitergeben ihrer Informationen dankbar ist. Wer’s mit dem Schreiben weniger hat: Man kann bereits mit minimalen Geldbeiträgen zum Projekt Bienenschutzgarten beitragen. Jede Hilfe zählt! Mehr darüber bei Vorträgen von Anton Erlacher, in der Bienenschutgarten-Broschüre und auf der Homepage des gemeinnützigen Vereins.

Ich werde Bienenschutzgarten-Imkerin!

Manches braucht ein wenig Zeit. Die Zusammenhänge waren klar, der Schock saß – aber erst im Herbst konnte ich mich zum Entschluss aufraffen, an einem Bienenwiegen-Baukurs von Anton Erlacher teilzunehmen. Nun steht meine fertige Bienenbehausung, liebevoll zusammengebaut, mit Dach, fix und fertig in meinem Hof und wartet darauf, auf der Streuobstwiese hinterm Haus aufgestellt zu werden. Ich kann es kaum erwarten, bis bienenwiege_048„mein“ Bienenvolk einzieht, freue mich schon auf’s Beobachten und ein paar erste Kostproben! Aber bis dahin brauche ich etwas Geduld und nehme noch an einem ganztägigen Vortrag bzw. Kurs über wesensgemäße Bienenhaltung teil. Denn die Menschen vom Bienenschutzgarten-Projekt legen größten Wert darauf, dass Neo- und Hobbyimker wie ich ihre Bienen verantwortungsovll und wesensgemäß behandeln. Auch ein Erfahrungsaustausch im Bienenschutzgarten-Netzwerk gehört dazu.

Akzeptanz des Projektes und Kontakt zur Jugend

Besonders gefreut hat mich übrigens beim Baukurs, dass nicht nur interessierte Privatleute, sondern auch ein bodenständiger Wirt und ein professioneller Imker aus der Region teilnahmen. Schön, dass nicht nur Zuwanderer, wie es oft der Fall ist, solche Gedanken aufnehmen und zum Schutz ihres Lebenssraums beitragen. Ein besonderes Anliegen von Anton Erlacher und seinem Team ist es natürlich, die Jugend anzusprechen. Die Zukunft unseres Nachwuches und die Zukunft der Bienen – sie gehen Hand in Hand. Daher freut sich der „Bienenretter“ besonders über Einladungen von Gemeinden, Schulen und sonstigen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Im Web gibt es übrigens bereits einen „Bienchen-Club“ für unsere Jüngsten.

Mehr Wissenswertes zum Bienenschutzgarten-Projekt:

http://www.bienenschutzgarten.at, Bienenschutzgarten, gemeinnütziger Verein, Geschäftsführer Anton Erlacher, Tel. 03462 34686, info@bienenschutzgarten.at, Eichbergstraße 42, 8046 Stattegg

Wesensgemäße Bienenhaltung

http://www.der-bienenfluesterer.de/2012/10/wesensgemase-bienenhaltung-was-ist-das-uberhaupt/

baukurs_bb122013