Acel Tigges zur Kulturpass-Aktion

 

unser hunger auf kunst und kulturarbeit

Hunger auf Kunst und Kultur der KULTURPASS-Aktionen

Wer in einer schwächeren Position erscheint, ist oft sehr empfindlich und fühlt sich schnell diskriminiert. Es war im Jahre 2011 stolz mit einem Kulturpass ausgestattet, ebenso meine Begleiterin, wollte ich zwei Karten am Mittwoch  für eine Oper  am Samstag im Landestheater erwerben, doch die Dame an der Kasse vertröstete mich und meinte am Samstag wären auch noch genug Karten da. Da ich die Regeln noch nicht kannte, ließ ich mich auf dieses Angebot ein. Jedoch am Samstag an der Abendkasse waren nur noch wenige Karten zu haben, und sie müsste nachschauen ob für Kulturpassbesitzer noch Karten möglich wären. Nun ja als sie uns dann für den zweiten Rang ziemlich abseits verächtlich zwei Karten zuschob, war ich doch sehr entsetzt und habe mich als Mensch zweiter Klasse gefühlt. So habe ich begonnen, mich intensiver um die Möglichkeiten zu kümmern, die solch ein Kulturpass für Menschen mit Mindesteinkommen  bietet, denn ich dachte, was mir passiert, wird anderen auch passieren und das raubt ihnen den Mut diese Möglichkeit zum kostenlosen Opern-, oder Theaterbesuch zu nutzen, wer lässt sich schon gerne ungerecht behandeln? Mittlerweile bereiteten wir mit der Plattform Sichtbar Bleiben das Jahrestreffen der Armutskonferenz: Sichtbar Werden  in Wien vor, wozu auch der Bundespräsident Heinz Fischer eingeladen wurde. Und da ich ihn schon vor seiner Wahl in Vöcklabruck kennen lernen durfte, war mir klar, dass ich ihm diesen Fall schildern werde. Doch durch die Erfahrungen später im Landestheater und anderen Kultureinrichtungen hat sich mein Misstrauen wieder verflüchtigt, wahrscheinlich weil ich nun genau wusste, was ich tun muss, um ohne Probleme die richtigen Karten zu bekommen.

So muss man wissen, dass es ein Kontingent gibt, und je früher man im Landestheater die Karten sich aussucht, umso einfacher ist es einen erwünschten Platz zu bekommen. Wer die Karten gleich mitnimmt, braucht auch nicht die bestellten Plätze bezahlen, wenn man die Karten nicht abholt. So ist wie immer in meinem Leben „learning bei doing“ die beste Methode gewesen, um Schwierigkeiten zu überwinden. Und wir von der Kulturgruppe: Hunger auf Kunst und Kultur helfen auf Kulturpassneulinge diese Anfangsschwierigkeiten zu überwinden. So erlebe ich häufig Diskriminierung aus der Unwissenheit von Diskriminierenden, die manchmal nicht gelernt haben sich in die Situation des Betroffenen einzufühlen.

Axel Tigges, September 2012