Kein guter Dienst

Kein guter Dienst

In schwierigen Zeiten hat uns Anmaßung gerade noch gefehlt

Ein Appell an das, was noch an menschlicher Vernunft übrig geblieben ist.

ls 21/23 10 2016

Gestern hat in der Nähe von Nürnberg ein sogenannter Reichsbürger bei einer Waffenrazzia auf vier Polizisten geschossen und sie zum Teil schwer verletzt.  Es ist etwas geschehen, das an sich schlimm genug ist. Doch noch schlimmer ist es im Kontext.

https://kurier.at/politik/ausland/deutschland-reichsbuerger-der-gefaehrliche-staat-im-staat/226.427.041 dpa 19.10.2016

https://kurier.at/politik/inland/gibt-es-die-reichsbuerger-auch-in-oesterreich/226.432.868 20.10.2016 Artikel von Karl Oberascher

Die Vorkommnisse stimmen sehr betroffen und besorgt.

In den Medien wurden Vergleiche zur sogenannten „Freeman-Bewegung“ gezogen, da auch die „Freemen“ Autoritäten und Abgabepflichten ablehnen.

Der Kurier und andere renommierte Zeitschriften haben sich schon öfter mit der Freeman-Bewegung auseinandergesetzt und von Vorkommnissen berichtet. Sind „Verschwörungstheoretiker“ am Werk, die sich in etwas verstiegen haben, oder wurde uns etwas verschwiegen, das auf Tatsachen basiert? Die Hintergründe für den gänzlichen oder partiellen System-Ausstieg werden in Vorträgen und bei anderen Veranstaltungen geflissentlich erklärt. Doch was davon hat man sich zurechtgezimmert, und was davon hat wirklich Substanz?

In den vergangenen Jahren haben wir so viele Bewegungen aufsteigen und wieder fallen gesehen, so viel hoffnungsvoll starten gesehen und mit Bitterkeit und Ettäuschung enden, dass wir zur Skepsis tendieren und sehr vorsichtig und verhalten geworden sind, was Euphorie anbelangt. Das klassische „Abwarten und Teetrinken“ scheint angebracht.

Schlimm wird es dort, wo Eiferer am Werk sind, wo rascher Profit erhofft wird, Mitläufer gefragt sind oder Menschen der Kamm schwillt. Da kann man sich nur davon abwenden, solchen Aktivitäten jegliche Unterstützung entziehen. Es ist schon problematisch, Empfehlungen auszusprechen… Daher alles prüfen, alles auf eigene Gefahr, großer „Disclaimer“ über alles…

Wieder und wieder betonen wir, dass es nicht darum geht, bestehende Strukturen niederzureißen, sondern neue Modelle und Lösungen zu entwickeln, dies aber in einem fairen Geist des Miteinander und nicht „mit Euro-Zeichen in den Augen“ und Sektierertum..

Fragen über Fragen

Gesetzt den Fall, die Argumente jener Menschen, die sich gegen das bisherigen System und seine Normen auflehnen und ihm staatliche Souveränität und Staatsgewalt absprechen, seien berechtigt… Wäre dann individuelle Verweigerung, wie dies einige bereits praktizieren, der Weg?

Was ist rechtens? Wird der Bevölkerung etwas verschwiegen? Was hat es wirklich für eine Bewandtnis mit den Registrierungen von staatlichen Einrichtungen im Handelsregister? Warum gibt es keine Amtsausweise? Viele Fragezeichen.

Wer mit den Behauptungen dieser Freiheitsbewegungen konfrontiert wird, glaubt zunächst, im falschen Film zu sein. Wurden wir belogen, sind wir mit Blindheit geschlagen, gibt es hinter dem Recht, das wir zu kennen glauben, ein ganz anderes, ein Insider-Recht?

Es wird Zeit für Recherche und Transparenz

Spätestens angesichts dieses dramatischen Vorfalls wird es allerhöchste Zeit für Fakten. Beispielsweise wird es Zeit für eine offizielle Erklärung auf höchster Ebene, warum unsere Ministerien, Bezirksgerichte etc. eine DUNS-Nummer haben bzw. handelsrechtlich registriert sind. Ist Österreich eine Firma, und wenn, dann seit wann und warum?

Es finden aufklärende Vorträge statt. Wie fundiert, können wir nicht bewerten.

Diese Behauptung, wir BürgerInnen seien nun dem Handelsrecht unterstellt und alle Welt sei dem Vatikan unterworfen… Das Handelsrecht ist ein Recht der Kaufleute untereinander. Jedenfalls, so haben wir es gelernt. Doch ob das stimmt, was wir gelernt haben? Was, wenn die Experten-Antworten auf solche Fragen wiederum Lügen sind?

Es geht jetzt nicht um die Einzelheiten, es geht vorerst um den Klärungsbedarf. Es geht um das Gespräch. Es sieht so aus, als habe keine der beiden Seiten ein Gespräch gesucht. Warum? Wenn an den neuen Behauptungen etwas dran ist, warum geh tmannicht stracks an die einschlägigen Fakultäten und bepricht sich mit Fachleuten?

Das nächste Fragezeichen. Und weiter könnte man sich ins Labyrinth begeben und mutmaßen.

Kommunikation und Sachlichkeit

Aber wir sind eigentlich schon am Punkt. Das, worum es uns in dieser Betrachtung geht, ist wieder einmal das gute alte Thema Kommunikation, hier zum Zwekc der gemeinsamen Wahrheitsfindung und der Erarbeitung von Lösungen. Konstruktive Kommunikation findet offenbar nicht statt. Es kommt zu Gerichtsverhandlungen, Verhaftungen, versuchten Zwangsvollstreckungsmaßnahmen – und BürgerInnen setzen sich zur Wehr, indem sie behaupten, der Richter, Polizist, Gerichtsvollzieher sei gar nicht legitimiert.

Warum gibt es keine offiziellen, fachmännischen Erklärungen? Man könnte ja  wirklich fast Verdacht schöpfen, dass etwas Wahres an den diversen Behauptungen ist. Das wollen wir nicht glauben, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist. Wir haben auch nicht die Paranoia, dass diejenigen, die in unser politisches und gesellschaftliches System involviert sind, sich gegen das Volk, gegen die Bürger stellen. Es gibt sicher welche darunter, die  den Behauptungen auf den Grund gehen und die Rechtslage begutachten wollen, die nun so vehement in Frage gestellt wird.

Jedenfalls, beide Teile tun der Sache kein guten Dienst. Die einen eifern, die anderen schweigen. Tun es beide, um ihre Haut zu retten? Werden die „Spinner“ einfach als solche abgetan, bis es zu viele werden – oder die Sache eskaliert?

Bereits vor zirka drei Jahren, als noch Treffen der Human-Way-Bewegung stattfanden, eine Mutbürger-Partei gegründet wurde, OPPT die Zwangsvollstreckung der bisherigen Regierungen verkündete und weitere Bewegungen wie Pilze aus dem Boden schossen, begab sich die Verfasserin auf Spurensuche und erhoffte sich in diesen Begegnungen Chancen für ein nachhaltiges, überparteiliches Miteinander (vielen anderen erging es auch so). Die Grupperungen und Namen wechselten, man wurde es müde.

Damals schon tauchten plötzlich Behauptungen auf, dass unsere Staaten keine Staaten mehr seien, sondern nur noch Firmen. Dass Beamte nur noch Angestellte seien und ihr Beamtentum nur vertuschen oder sich selbst der Änderung der Lage nicht bewusst seien.

Pioniere taten sich hervor, die sich mit seitenlangen Erklärungen von der Obrigkeit lossagten. Mir roch dies alles zu viel nach Behauptungen, vielfach von juristischen Laien, häufig in sehr fehlerhaftem Deutsch formuliert, was zusätzliche irritierte. Vieles wurde ohne den Kontext von Gesetzen zu kennen, auhand von juristischen Nachschlagewerken zusammengedeutet, was zu seltsamen Interpretationen fürhte. Jeder mit ein wenig Rechtskenntnissen hätte sich gewundert.

Darum regte ich damals an, sich zusammen zu setzen und zu besprechen, was von den neuen Informationen belegt ist, was davon konkret in de EU bzw. in underem Land zur Anwendung kommt und wie die Situation konkret in Österreich ist, wo Ändeurngsbedarf ansteht und mit welchen Mitteln dieser möglich wäre. Leider blieben mene Appelle ohne konkretes Echo. Vermutlich hatte da jemand Angst, dass ich ihm in die Suppe spucke. Keine Ahnung. Nie kam es zu solchen sachlichen Arbeitstagungen.

Und jetzt haben wir den Salat. Es blieb so, dass man so vielen Menschen unsachliche Informationen weitergibt, ohne Rücksicht darauf, dass diesen dadurch Nachteile entstehen könnten.Wenn man für sich selbst Schritte setzt, für die man die Konsequenen zu tragen hat das ist die eine Sache. Andere, die vertrauensvoll sind, mitreißen, ist die andere.

Mag sein, dass inzwischen sachlicher informiert wird. Pfusch geht jedenfalls nicht und rächt sich, und es sieht so aus, als hätten sich da Grüppchen in einen Wahn hineingesteigert. So nicht!

Kritik an WortführerInnen

Auch sei einmal gesagt: Es geht einfach nicht an, das Künstler dermaßen politisch agitieren. Die Rede ist nicht von Xavier Naidoo, erkennbar ein Mann des Friedens und religiös bzw. spirituell motiviert,  man könnte in eher als links einschätzen, ihn sich aber keineswegs als einen vorstellen, der sich gegen die Gesellschaft auflehnt. Unangenehm sind in letzter Zeit zwei Österreicher aufgefallen, die sich sogar entfernt ähneln und vielleicht als Kabarettisten ein geniales Duo wären.

Doch leider nein, sowohl Joe Kreissl als auch Roland Düringer müssen wohl vom wilden Affen gebissen worden sein. Wären sie doch bei ihrem Leisten geblieben! Der eine als Musiker, der andere als Schauspieler. Beide großartig in ihrem Metier, aber zum Weinen, was aus ihnen geworden ist. Bei aller guten Absicht… Helden der Nation? Oder tragische Gestalten? Es wird sich weisen.

Kunst und Politik. Eine Parteigründung als Kunstaktion. Nun, vielleicht ist das eh ganz lustig. Eine gewisse Dynamik bringt das auch ins Spiel. In Südafrika hat es ein Aktivist und Musiker (Michael Tellinger) auch  eine Partei gegründet und nach beträchtlichem Einsatz  wurde das Experiment beendet.

Wahlwerbung und politische Songs von prominenten Musikern lassen den Wunsch entstehen, dass sich die Sänger eines Tages für ihre Mitbeteiligung genieren.

Was sich zur Zeit auf  Facebook tummelt und Schlammschlachten austrägt, ist freilich auch schauderhaft.

David gegen Goliath?

Es wird Zeit, dass erkannt wird, dass Parteiengründen nicht der Weg ist. Der hässliche Kampf um Sttimmen auf Facebook sollte unterbunden werden. So etwas trägt nur dazu bei, dass die Kluft in Österreich infolge unertschiedlicher Ideologien noch größer wird.

Es wird von vielen Möglichkeiten der Kommunikation nicht Gebrauch gemacht, die zur Aufhellung beitragen würden – zum Beispiel Treffen mit Fachleuten (Recht, Wirtschaft)… ein Round Table… Diskussionsrunden, Tagungen…

Ihr alle, die ihr Fronten aufzieht, selbst unter dem Vorwand friedlichen Widerstandes, leistet unserer Heimat in dieser krisengebeutelten Zeit einen Bärendienst.

Lösungen

Freilich ist ein Appell nur die „halbe Miete“. Darum suchen wir nach Erklärungen  und Lösungen.

Das Wichtigste sind Sachlichkeit und Besonnenheit. Provokante Aktionen gießen nur Öl ins Feuer. Recherche, Vortätge von Fachleuten… Bücher und Artikel schreiben.

Hoffnungsvoller Ausklang

War da nicht die Rede von einem guten Leben, einem friedvollen Leben? Jedenfalls in Österreich.  Da war so viel Idealismus zu spüren. Da wird von Liebe und Ethik gesprochen.

Die Hoffnung lebt.

Eine Fortsetzung dieses Beitrages aus aktuellem Anlass am 24.10.2016: https://akademiestegersbach.wordpress.com/statements-der-kristallquelle/wenn-umtriebe-bedenklich-werden/

kristallquelle_akademie

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