Markt braucht Kultur, Kultur braucht Markt!

Warum wird die bildende Kunst zur Zeit nicht gewertschätzt – und ist doch so etwas wie eine heilige Kuh…

Notizen von Gia 2.11.2012

Markt braucht Kultur, Kultur braucht Markt!

Für manche ist es selbstverständlich, für manche ganz und gar nicht:

KünstlerInnen fördert man durch den Kauf ihrer Werke (naja, und dann gibt’s noch Preise, dann und wann). Entsprechende Präsentation ist erforderlich. Musik, Tanz, Festivals, Buchpräsentationen, das alles und noch viel mehr wertet jedes Einkaufserlebnis auf. Gemischte Projekte ziehen mehr Publikum an. Synergien…

Als ich als Kulturschaffende vor etwas mehr als einem Jahr im Burgenland an einem Arbeitskreis „Energie“ teilnehmen wollte, der aus Förderungswerbern für innovative Projekte bestand, verbunden mit der Auflage, dass das Kollektiv gemeinsam ein Projekt entwickeln möge, wurde ich für unerwünscht erklärt und ausgeladen.

In ein- und demselben Land laufen Regionalmanager herum, die beteuern, wie unerlässlich in der Wirtschaft kreative Köpfe sind – siehe zum Beispiel Produktdesign. Damals fühlte ich mich schon seltsam…

Ich weiß also, wovon ich rede. Einer der Regionalmanager mit dem fetten EU-Fördertopf verknüpfte den Kulturbegriff mit Bierzeltatmosphäre und Würschtlessen – keine Ahnung, was ihn ritt und ob er sich in Zynismus ergehen wollte. Jedenfalls nichts gegen Volkstümliches!

Nun gibt es auch MalerInnen, MusikerInnen, GrafikerInnen, deren Kulturbegriff ebenso auf ihr eigenes Segment beschränkt ist. Gut und schön. Man kann etwas zur Hochblüte bringen. Oder aber: einmal etwas gelernt haben und das Gelernte wieder und wieder kopieren. Das erscheint mir nicht kreativ, sondern einfach nur „erlernt.“ Nun: Menschen mit „Kastldenken“ gibt es da wie dort. Jemand, der Musik lediglich zu interpretieren lernt, ist deshalb auch noch lange kein „kreativer Kopf“.

Eine übergreifende Zusammenarbeit kann nur mit weltoffenen, geistig beweglichen, herzlichen Menschen gedeihlich sein. Die sind wie das sprchwörtliche „Salz in der Erde“ -aber anscheinend auch wie die sprichwörtliche „Stecknadel im Heuhaufen“ zu finden.  Es sollte nicht nur Eigeninteresse vorhanden sein, sondern auch ein bisserl ein Gespür für das Verbundensein.

Gemeint sind Tugenden wie etwa Freude am Gestalten, Offenheit für Neues, Engagement, Begeisterung, Mut, Erfindergeist, Fantasie, höchste Kreativität, Austausch, Kooperationsbereitschaft und spannende Prozesse, die zu neuen Variationen, Synthesen, Symbiosen, Synergien führen. Offenbar ist ein erweiterter Bildungs- und Erfahrungshorizont von Vorteil.

Keine seelenlos hingeklotzten Doppelpack-Projekte, die auf Gewinnmaximierung gieren, wo Kunstschaffende nur als Attraktion dienen. Stattdessen gemeinsames Entwickeln von Kultur- und Marketing-Konzepten mit Herz, Charme und Esprit. Dazu müssen allerdings die Rahmenbedingungen stimmen, denn Knappheit führt zu Reibereien, das liegt in der Natur der Sache.

Ein gesundes Konzept einer Fachmesse beispielsweise mit einem guten kulturellen Angebot würde beinhalten, dass es Zeiten gibt, in denen die Aussteller einander gegenseitig besuchen und miteinander kommunizieren können. Eine Begegnung zwischen Wirtschafts- und Kulturwelt sollte stattfinden, und nicht nur ein Nebeneinander.  Die Basis:  gegenseitige Wertschätzung. Die fehlt heute so sehr. Nicht nur in der Kunst.

Das bisherige System ist doch unwürdig und traurig. Aber wem ist das bewusst? Wir brauchen Kultur. Aber eine Kultur der Wertschätzung und nicht des Gratiskonsums. Das gilt für alle im Reigen.

Ich komme zum Schluss, dass diesen Gedanken an dieser Stelle nichts weiter hinzuzufügen ist. Änderungsbedarf.

© ls/2.11.2012

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