Noch mehr Babylon gefällig?

Der Titel dieses Statements ist eine Anspielung auf die biblische „Babylonische (Sprach-)Verwirrung“:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_gefl%C3%BCgelter_Worte/B#Babylonische_Verwirrung

Noch mehr Babylon gefällig?

Begriffe haben etwas Trennendes – doch es gibt kein Patentrezept

ls 07 04 2016

Viele großartige Projekte setzen den gegenwärtigen Tendenzen des Zerfalls etwas Konstruktives entgegen. Neue Wege werden geangen, so in der Güterverteilung (FoodCoops), in der Landwirtschaft( sanfte Bodenbearbeitung), im Stadtleben („Essbare Gärten“, viel Grün), in der Erziehung (natürliche, entwicklungsgerechte Methoden), in der Konfliktbarbeitung Mediation), beim Transport (Car Sharing), in der Heilkunde, in der Musik (heilsame Frequenzen), in der Wissenschaft… (die Liste wäre schier endlos).

Im Austausch mit Freunden und Netzwerkpartnern fällt uns allerdings auch auf, dass wir Mensche immer noch leicht dem altvertrauten Denken in Kästchen und Kategorien zugeneigt sind.

Man findet Erfindungen und Neuentdeckungen mit wohlklingenen Bezeichnungen im Web (an dieser Stelle nennen wir bewusst keinen Autoren, Vortragenden oder Gründer) und stellt als „alter Hase“ fest, dass einmal mehr alter Wein in neue Schläuche abgefüllt wird.

Vielen Menschen fällt  ohnehin nicht auf, dass hier mal wieder einer/eine das Rad neu erfunden hat. Oft ist es den „ErfinderInnen“ nicht bewusst, denn das würde viel Hintergrundwissen und Recherche erfordern. Ein „Neuetikettierung“ zu verteufeln, ist aber keineswegs die Absicht. Uns allen wohnt der Hang inne, unsere Aufmerksamkeit auf etwas Neues zu richten. Wir sagen zwar: „Was kümmert uns eine neue Weinkönigin?“ Aber wenn wir zufällig ein Bericht über die neue Weinkönigin im Fernsehen ausgestrahlt wird, schauen wir unweigerlich hin.

So entstehen viele neue Strömungen und Initiativen in allerbester Absicht – wie auch die „Kristallquelle“, als unabhänger regionaler Treffpunkt von einer kleinen Schar ersonnen. Viele schöne Aspekte treten in Erscheinung! Vieles ist auch wirklich innovativ. Und die Namen? Nun, hinter allen Projekten stehen Menschen, deren gutes Recht es ist, ihre geistigen Kinder mit einem wohlklingenden Namen zu versehen. Altes Wissen wieder ausgegraben und neu beleuchtet, hat ebenfalls seine Berechtigung.

Und doch….
Göttinnen, Schwesternschaften, Urchristentum, Indianerkultur, Anastasia-Bewegung – warum brauchen die Menschen immer noch solche Konzepte, an die sie sich klammern und die durch ihre Begrifflichkeit auch trennend wirken? Warum erheben sich immer noch einzelne, darunter sogar sogenannte Esoteriker, und buhlen um die Wahl als Bundespräsident, wodurch man sich gegenseitig das Terrain für Unterstützungserklärungen abgräbt? (Wobei systemimmanent ohnehin noch nie nachhaltige positive Veränderungen entstanden, also wozu?)

Ist es nicht höchst an der Zeit, dass wir das Verbindende über das Trennende stellen und uns zu einer echten Weltgemeinschaft fusionieren? Allerdings in einem andere Sinn als es sich vielleicht so manche Wirtschaftsbosse wünschen… Nicht vom einheitlichen Konsum- und Arbeitsvieh, vom globalen Einheitsbürger ist freilich die Rede, sondern von wachen, selbstbestimmten Menschen.
Alexander Wagandt (Autor, Berater, Coach) meint, dass wir infolge des  Zeitgeschehens mit seinen großen Umwälzungen im Begriff sind, unsere „Kinderwelt“, die durch den naiven Glauben an Vorgaben geprägt ist, zu verlassen.
Allzu viele Menschen sind in dieser „Kinderwelt“ mit ihrem Kastldenken, Konzepten, Nachbeten verhaftet. Noch ist immer noch eine Art Wetteifern zu spüren, ein Konkurrenzdenken à la „Ich bin besser, weil ich bin ja Buddhist, Urchrist, Ubuntu… Ich lebe wie die Indianer im Amazonas-Gebiet, wie Anastasia“ und so weiter. Damit tappt man immer noch in den alten Mustern des Besserwissens und des Gegeneinander verfangen.

Es ist wertvoll, sich Anregungen zu holen.  Und es ist großartig, seine Ideen und Visionen umzusetzen. Doch es ist  höchst an der Zeit, dass wir unsere Bestrebungen in unsere eigene Gärtchen, in unserer Familie, in unsere Gemeinschaft… in einem größeren Kontext begreifen. Mit einem Wort, es ist  Zeit, dass wir aufwachen.

Denn dann brauchen wir nur unserer inneren Stimme folgen, entsprechend handeln und leben. Jede organisierte Bewegung erzeugt Gruppendruck und wächst er erneut zum Hindernis an, das es vordem bekämpfte.
Lesetipp: die „Transurfing“-Bücher von Vadim Zeland.

Auf der Ebene, auf der all diese Strömungen und Projekte entstehen, gibt es kein Patentrezept für eine einheitliche Spange, für einen verbindenden Begriff, und sei er auch noch so zutreffend. Denn es sind ja allein schon die Worte, aus unterschiedlicher Herkunft stammend, aus unterschiedlicher Sprache. Babylon lässt eben grüssen…

Die Sufis (Sufismus hier treffend erklärt: http://www.sufismus.ch/sufismus.php) wussten sehr gut zu erklären, wie Worte – gerade auch in Kernfragen der Existenz – die Ursache von Missverständnissen sind. Hier eine anschauliche Parabel gut nacherzählt: https://dreikopf.wordpress.com/2012/01/25/parabel-von-den-trauben/.

Ob „Unity“, „Einheit“, „Wir sind ein“, „Miteinander“, Ubuntu“, „Kontributionalismus“, „One heart – one mind“, „Einer für alle – alle für einen“ „Love is the answer“, „Make love not war“, „Anastasia-Bewegung“ – alles ist schon vorbelastet. Nicht anders steht es um Symbole. Auch sie sind historisch belastet, stammen aus Quellen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund.

Wie die Männer in der bekannten Sufi-Parabel (siehe oben) meinen die Menschen,  es werde von Verschiedenem geredet. Würde man auf das Gemeinsame gehen, wäre wohl alles um ein- und denselben Kern entstanden – einem liebe- und respektvollen Miteinander im Einklang mit den kosmischen Gesetzen und der Natur.

Aber was tun? Einmal mehr ist eine Lösung nur möglich, wenn wir sie außerhalb des Systems schaffen. Auf der Meta-Ebene, auf der nonverbalen Ebene…. Im Hyperraum…Ups, schon wieder stoßen wir auf verwirrende Begrifflichkeiten!

Viele Pioniere des neuen Zeitlaiters bzw. des neuen Miteinander haben wie beispielsweise Prof. Dr. Franz Hörmann und Michael Tellinger erkannt, dass Gleichmacherei nicht der Weg sein kann. Die menschliche Individualität ist und bleibt trotz aller Nivellierungs-Versuche ausgeprägt, denn sie ist auf der Ebene der Erscheinungen unsere Natur.Eine gesunde Gemeinschaft kann also nur funktonieren, wenn sie gleichzeitig die Individualität des Einzelnen respektiert und wertschätzt, wenn Talente gefördert und Potenziale genutz werden.

Hier also ist unseres Erachtens der gemeinsame Ansatz, der gemeinsame Nenner. Auf dieser Basis wird auch ein ganzheitlicher Gesundungsprozess des Einzelnen, aber auch des Planeten eingeleitet. Dieses Kind hat bereits viele Eltern, viele Namen und zahlreiche Symbole. Vielleicht könnte eine Geste, die das Miteinander ausdrückt, das Zeichen weltweiter Verständigung werden, wei beispielswwiese zu einem Miteinander ausgebreitete Handflächen?

Die gemeinsame Sprache die gäbe es sehr wohl, aber sie ist zur Zeit nur rudimentät vorhanden. In dieser gemeinsamen Sprache brauchen wir nicht nach Begriffen fischen und nicht argumentieren, warum der eine der andere Name besser ist, denn sie braucht das nicht. Diese universelle Sprache nennt sich „Telepathie“ und sollte uns allen vertraut werden.  Diese Schwester der Intuition ist durch die Etikettierung mit einer fremdsprachigen (altgriechischen) Bezeichnung ihrer Natürlichkeit enthoben. Das birgt Stoff für ein eigenen Thema…

Von allen Hoffnungen, Träumen und Utopien abgesehen, gibt es vorest nur mal eins, das Kehren vor der eigenen Tür. Die Bretter vorm Kopf beseitigen, die Intuition sprechen lassen. Es gibt eben kein Patentrezept für einen einheitlichen Begriff für ein harmonisches Miteinander. Und vielleicht will uns genau das etwas sagen – dass wir nicht nach Begriffen klammern sollen, sondern uns ins Akzeptieren und ins Fühlen begeben und uns auf unser Tun konzentrieren.

Es ist eben alles gut, wie es ist.