Unvereinbarkeit mit Keilerei

02 07 2016 ls

Unvereinbarkeit mit Keilerei

GeschäftemacherInnen, die Schmeiß- und Beißfliegen der Gesellschaft

Wenn man ein klein wenig im öffentlichen Leben steht und Position bezieht (eine gute Übungsweise dafür sind die Social Media), findet sich bald einmal eine Handvoll Menschen, die die eine oder andere Äußerung gut oder interessant finden. Ein paar vertreten eine andere Meinung, manche werden dabei ziemlich zynisch und aggressiv, aber was soll’s. Sie haben ihre Gründe. Den Rest im Kontaktkreis interessiert es nicht. Ist normal in unserer Welt, die sicher nicht eine der besten ist. Damit kann man leben.

Es gehört zu den Wundern des täglichen Lebens, einmal Lob oder Unterstützung zu erhalten. Man ist schon dankbar für jeden Tag, an dem man nicht für guten Willen Bösartigkeit erntet. All das hat aus einem Kind, das alle Welt angelächelt und freudig gegrüßt hat, einen Menschen gemacht, der im Hinblick auf die äußere Welt das Schopenhauersche Motto : „Glück ist Schmerzlosigkeit“ als nützliche Lebensregel bestätigt sieht.

Doch so viel nur als Einleitung, ehe wir uns einer besonders bemerkenswerten Spezies zuwenden, die einem wirklich den Tag verderben kann. Sie ist für mich schlicht und einfach mit einem gesunden Lebensstil nicht kompatibel. Und das sind all die Keiler, also Menschen, die aggressiv werben, und dies mit nervtötenden und mitunter ziemlich ausgetüftelt hinterlistigen, zumeist hartnäckigen und penetranten  Methoden, verbunden mit der Vorgabe, dass sie von Menschenliebe beseelt seien und allen nur Gutes tun wollen. Na und eigentlich gar nichts verkaufen, nur empfehlen, der Kauf sei ja eine freie Entscheidung des Kunden. Haha.

Viele dieser gefürchteten Orte von „Freunden“ ist durch Marketingschulungen gehirngewaschen und aufgeputscht, was sich beschönigend „hochmotiviert“ nennt. Ihr Leben dreht sich nur noch um Promotion, VeRkaufszahlen und Ranking.Sie lügen sich so lange in die eigene Tasche, bis sie selbst daran glauben, dass ihnen Verkaufen Spass macht, während ihre Beliebtheit im Bekanntenkreis auf unglaublche Minuswerte herabsinkt, weil jedes dritte Wort „Erfolg“ ist – ein Erfolg, der nur durch Druckmachen zu erzielen ist, aber der Glaube an die indoktrinierten Konzepte macht blind. Irgendwann kommt unvermeidlich der Absturz aus dieser peinlichen Scheinwelt. Udn dann die Scham.

Doch was nützt es den Belästigten? Viele bestellen nicht nur, mürbe geklopft, sondern steigen mit ein, weil sieja sonst als ängstlich und dastünden, als Erfolgsverweigerer und ewige Verlierer. Derlei Methoden bin ich ich schon vielfach begegne. Sie erinnern mich mit ihren Psychotricks an Sekten und ähnliche Seelenverkäufer.

Hier sei es ausdrücklich gesagt: Ein gesundes Verständnis von Nachhaltigkeit, auch in Verbindung mit nachhaltigen Proukten, kann nie und nimmer mit aggressiver Produktwerbung einhergehen, auch nicht mit verdeckten Methoden wie diesem unseligen Empfehlungsunwesen, bei dem jeder, der ein Produkt empfiehlt, am Verkauf mitverdient. Das ist doch „old school“, kapitalorientiert durch und durch, ein Musterbeispiel dessen, was wir hinter uns lassen wollen.

Das Kernproblem wird allmählich sogar schon dem „Mainstream“ bewusst: Wir alle brauchen Geld, und dieses ist und bleibt künstlich knapp. Darum soll hier auch nichts und niemand verteufelt werden. So mancher armen Kreatur steht das Wasser schon bis zum Hals. Er hat eine hungrige Familie zu füttern und steht womöglich bereits vor dem Konkurs. Und hofft nun auf schnelles Geld, vielleicht durch einen lukrativen Nebenjob.

Im Klartext: Ich verstehe die Not solcher Menschen, die gepusht duch Schulungen und Parolen rasche Erfolge durch Direct Marketing erhoffen, zuweilen ja auch erringen. Es mögen auch die Produkte gut sein, für den auch immer. Trotzdem mögen sie mich bitte in Ruhe lassen, denn das ist ihre Sache. Denn es gibt auch andere Berufe, und ich empfinde es ebenso unangenehm wie den Angriff von den „beißerten“ Wadenfliegen, die in den letzten Jahren überhand nehmen, wohl auch als Symptom der Zeit. Nur, auf die kann man immerhin drauf hauen, mit dem Fliegenpracker, in Notwehr. Die anderen muß man abstellen, indem man verbal grob wird. Sonst hilft nichts, sie lassen nicht locker, sobald sie bei dir mal einen Fuß in der Tür zu haben glauben. Und dazu genügt in der Regel schon, dass man ihnen einmal kurz Gehör schenkt.

Soeben erlebt: ein Bravoruf für mein Engagement auf Facebook von einer ferner bekannten Dame in naher Ferne. Klingt ja aufbauend, diese Schmeichelei, doch was will diese Dame? Oh, Zusammenarbeit, da auch ich mich für Nachhaltigkeit interssiere. Ich recherchiere schnell mal und finde auf ihrer Facebook-Seite Links zu zwei Geschäftsbranchen – Immobilien und Kosmetik.  Keine Spur aber von Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Im Handumdrehen möchte mich diese gute Dame zu einem 15minütigen Telefongespräch gewinnen, obwohl ich kurz angebunden mitteile, dass ich gerade auf Urlaub bin. Kein Wort der Entschuldigung, statt dessem folgt eine Forderung von drei Terminvorschlägen für das von mir ungewollte 15minütige Telefonat. Auf einmal ist die Dame, die sich vorhei  in Geheminisse gehüllt hatte, auch Künstlerin, um bei mir mehr Resonanz zu erwirken. Schade, ihr Name wirkte so seiriös und auch das Foto hattte mich eher für sie eingenommen. Mir blieb einfach diie Luft weg bei so viel unverfrorener Direktheit. Ich rettete mich mit einer schroffen Antwort. Seither Funkstille. Hurra. Trotzdem, wieder sinnlos einige Lebensminuten für eine verkappte Keilerin vergeigt.

An dieser Stelle nur ein dickes großes: SO NICHT!!!

Keilereien dieser Art sind hier und von mir persönlich ausdrücklich UNERWÜNSCHT!!! Gerne empfehlen wir nachhaltige Initiativen weiter, verstehen auch, dass diese von etwas leben müssen. Wir verstehen auch, dass KeilerInnen von etwas leben müssen, aber sie sollen dies weit von uns entfernt tun. Es hat etwas mit der Art zu tun. Gibt es eigentlich weiteren Erklärungsbedarf?

Wir unterstützen Nachhaltigkeit, Engagement und Erfindergeist durch entsprechende Informationsweitergabe, aber keinesfalls Aufdringlichkeit, Rücksichtslosigkeit und gedankenlose Profitgier. Dies sei an dieser Stelle ausdrücklich differenziert.

Ja das wär’s eigentlich im Grund genommen schon, denn sowohl das Gründübel Geld als auch Folgeübel wie die Keilerei sind hinlänglich bekannt, wenn auch facettenreich und mitunter extrem beeindruckend in ihrer Ausprägung.

Wieder und wieder und wieder:

Die Nachhaltigkeitsakademie informiert, aber sie wirbt nicht für für Kosmetika, Ruderboote, Magnetmatten, Wasserenergetisiergeräte oder was auch immer. Dafür gibt es Marktplätze. Basta.

Nun, ein paar Worte doch noch dazu. Viele teuren Salben, kostspieligen Pülverchen und andere Hilfsmittel sind gut und schön, aber nicht unerlässlich. Das führt zu einem eigenen Thema, hier nur so viel: Wie kann man teure Kosmetik anpreisen und hochpreisige Geräte, wenn man der Überzeugung ist, dass es auch ohne geht? Beziehungsweise auch anders geht.

Eine teure Creme kann freilich  eine Selbsterfahrung sein. Viele Innovationen sind noch neu und es wird sich erst erweisen, ob ihr Preis gerechtfertigt ist.

In erster Linie kommt es meines Erachtens  auf die Einstellung an beziehungsweise auf welchem Weg man sich gerade befindet.

Darum eine neutrale Einstellung. Nichteinmischung. Basta. Und dafür wird im Gegenzug entsprechende Abstandnahme erwartet. Keine Belästigung durch Produkt-Glücksritter und -ritterfräulein. Basta.

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