AkuKuT 2017, zweiter Tag

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Ein Interview über das Gestern, Heute und Morgen der Stegersbacher Nachhaltigkeitsakademie

Bericht vom zweiten Aktions- und Kulturtag am 3. Juni 2017

>> Bericht vom ersten Tag

Der zweite Aktions- und Kulturtag 2017 bot die Gelegenheit zu einem ausführlichen Einzelgespräch mit einem jungen Jennersdorfer Journalisten, der im Auftrag der burgenländischen Landesregierung alle Veranstaltenden im Burgenland besuchte, die sich an den diesjährigen Aktionstagen Nachhaltigkeit beteiligten.

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Herr David Maroušek nahm sich ausgiebig Zeit für einen Rundgang im Naturgarten. Er zeigte auch Interesse an den Kunstobjekten, die das Haus und den Garten bevölkern und teils von den Hausleuten selbst (Künstlerfamilie Simetzberger), teils von anderen Künstlern geschaffen wurden, die in dieser Region leben.

Die Baugeschichte des alten Bauernhofs wurde ebenso gewürdigt wie die aufgelegten Informationsmaterialien und die Flyer und Journale vom Vorjahr. Über das intensive Geschehen am Aktions- und Kulturtag im Vorjahr und über die einige der vertretenen Projekte wurde berichtet. Selbstverständlich auch darüber, was sich am Vortag an kulturellen Aktivitäten zugetragen hat. Die Urkunde von Respekt.net mit der Nominierung der Stegersbacher Akademie als „Ort des Respekts 2016“ wurde fotografiert, und natürlich hatte auch ein Fotoshooting mit dem Aktionstage-Nachhaltigkeit-Logo zu erfolgen.

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Lygia Simetzberger berichtete namens der Stegersbacher Nachhaltigkeitsakademie von früheren Aktivitäten, vermittelte Einblicke in die Gründungsgeschichte und in künftige Pläne. Dabei legte sie Wert auf die Feststellung, dass diese Einrichtung vom Gründerteam im Jahr 2012 als uneigennütziger regionaler ganzheitlicher Stützpunkt gedacht und konzipiert war, der ehrenamtlich von einem Kollektiv getragen wird, wobei auch regelmäßig ein regionales Forum als planende und empfehlende Einrichtung tagen sollte und ein monatlicher Stammtisch zum Netzwerken betreut wurde.

Zur Zeit ist das Team auf eine Person geschrumpft, die die Stellung hält, bis sich einige idealistische Menschen finden, nachdem die anderen abgesprungen sind. Entsprechend haben sich die Aktivitäten reduziert. Es sei jedoch im Vorjahr ein Nachhaltigkeitskatalog mit über 100 empfehlenswerten Projekten und Institutionen entstanden. Auch der Stammtisch habe erneut stattgefunden.

Betont wurde auch die Kooperationsbereitschaft der Akademie mit bestehenden offiziellen Einrichtungen und NGOs im Umfeld und allgemein, deren Unabhängigkeit und Ideologiefreiheit und der „barrierefreie“ Zugang, der auch Menschen mit knappem Geldbörsel zur Teilnahme ermöglicht. Die Schwerpunkte liegen seit Gründung auf Wissensvermittlung, Informationsaustausch beziehungsweise Informationsweitergabe, Netzwerken und Förderung von Menschen und Projekten, die mit dem Nachhaltigkeitsbegriff im Einklang sind.

Die Mitgründerin wies darauf hin, dass Förderung freilich nicht im Sinn von Geldmitteln gemeint sei, da die Nachhaltigkeitsakademie über kein Budget verfügt, sondern durch diverse Möglichkeiten, sich zu präsentieren, wozu auch nachchaltige Medienarbeit, Eintragungen im Web, Terminweitergabe und Dokumentationen zählen.

Auch auf das Frauennetzwerk, das Teil des Gesamtprojektes ist und insbesondere Frauen kostenlos die Möglichkeit zum Austausch und zur Präsentation gibt, wurde hingewiesen.

Ausgiebig wurde das zentrale Anliegen der Stegersbacher Akademie besprochen, mehr individuelle und institutionelle Unterstützung zu finden, damit dieses Vorzeigeprojekt, das global weitaus mehr Beachtung und Anerkennung findet als regional, besser bekannt wird. Finanzielle Mittel werden hierbei nicht angestrebt – jedenfalls nicht in erster Linie. Wesentlich seien die Informationsweitergabe, die Einladung zum zukunftsgestaltenden Mitwirken in der Region und – wenn dies auch utopisch erscheinen mag – die Bereitschaft der Menschen im Umfeld, „ihre“ Nachhaltigkeitsakademie zu konsultieren, wenn beispielsweise Vortragende gesucht werden oder wenn es um neue Ideen für die Region geht.

Auch der Burgenländische Kulturbund wurde vorgestellt und sein künstlerisch-aktionistischer Hintergrund erklärt. Es wurde über die Wünsche und Bedürfnisse der regional tätigen Kunstschaffenden gesprochen, die möglicherweise noch nie so recht ans Ohr der Kulturabteilung der Landesregierung gedrungen sind. Das Thema „künstlerischer Nachwuchs“ berührte Herrn Maroušek besonders, da er Parallelen zur Nachwuchsförderung in der Sportszene erblickte.

Schließlich wurden im Interview auch konkrete Beispiele genannt, wie man ohne nennenswerten finanziellen Aufwand so Manches zur nachhaltigen Entwicklung beitragen kann.

Dass das Engagement der uneigennützig tätigen „Kristallquelle“ weder rivalisierend zu bestehenden Bildungseinrichtungen noch in Opposition zum bestehenden System zu verstehen ist, sei aus den bisherigen Aktivitäten und Veröffentlichungen wohl eindeutig abzulesen. Ganz im Gegenteil. In vielen Regionen formieren sich ähnliche Einrichtungen mit unterschiedlichen Bezeichnungen, in denen Bürger und Bürgerinnen in Selbstveranstwortung zur Förderung der Potenziale in ihrer Region beitragen wollen.

Dabei agieren sie wissentlich oder unwissentlich konform mit den „EU-Richtlinien zur Dorferneuerung“ (unwissentlich deshalb, weil diese weithin unbekannt sind). Das heißt, eine Bürgerbeteiligung auf kommunaler bzw. regionaler Ebene ist seitens der EU durchaus erwünscht!! In manchen Gemeinden allerdings mag (noch) nicht dieser Eindruck entstehen. Es ist in der Tat von Ort zu Ort verschieden.

Ja, es hätte Freude gemacht, wenn auch am Samstag weitere Besucher und Besucherinnen von diesem Tag der offenen Tür Gebrauch gemacht hätten, um sich in diesem Naturgarten-Kleinod, das gleichzeitig auch eine höchst umtriebige Stätte von Kunst und Kultur ist, zu tummeln, die Gastlichkeit des Hauses zu genießen und um viele neue Eindrücke zu sammeln.

Die Gründe, warum die BesucherInnen ausblieben, sind sicher vielfältiger Art, vom schönen Wetter und Erholungsbedürfnis angefangen, mögen Reisen am verlängerten Wochenende, sonstige Verpflichtungen und andere Interessen eine Rolle gespielt haben, womöglich da und dort Resignation, Erschöpfung oder ganz einfach Wurschtigkeit.

Eine Ursache des Ausbleibens von Teilnehmenden hätte allerdings leicht vermieden werden können. Nämlich die mangelnde Informationsweitergabe durch jene, die involviert beziehungsweise informiert waren, seien es Medien, seien es Gemeinden, seien es andere Kultureinrichtungen.

Was zu geschehen hat, damit sich dies künftig ändert, dazu fehlen sogar der Nachhaltigkeitsakademie Kristallquelle ein bisserl die Ideen…

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Foto von David Marousek, freundlicherweise zur Verfügung gestellt: